Linktipp für Podpeople: On the Media on „Will the internet deliver us or destroy us?“

Mit der Sendung vom 18. Februar 2011 von „On the Media“ möchte ich mal wieder auf einen Podcast aus der US-amerikanischen „Public Radio“-Landschaft hinweisen.

In der Livesendung gehen „Brooke and Bob“ (die Hosts der Sendung) verschiedenen Utopien und Dystopien über mit dem Internet verbundenen Veränderungen im Sozialleben, für die Einzelnen wie auch die Gemeinschaft, nach. Meiner Meinung nach ist es eine recht unterhaltsame Aufarbeitung von auch in Deutschland immer wieder diskutierten Fragestellungen. Dabei wird der wissenschaftliche Diskurs recht humorvoll aufgegriffen, da für jede Frage jeweils wissenschaftliche Positionen, die für die utopische bzw. dystopische Position sprechen eingebunden werden.

Aber jetzt nicht mehr Worte über den Podcast, sondern vielmehr der Link: http://feeds.wnyc.org/~r/onthemedia/~3/11_eh6Jk9dA/18

Viel Spaß!

„The weapon of the strong“ – Die Bedeutung von Medienkompetenz für politisches Engagement online

Der US-amerikanische Wahlkampf 2008 kann als Startpunkt für eine neuerliche Diskussion über die Potenziale der Beteiligung und Partizipation von Jugendlichen über das Internet gesehen werden. „The Obama effect“ wird das Phänomen benannt, dass der damalige Präsidentschaftskandidat Barack Obama in seinem Wahlkampf 2008 scheinbar insbesondere über Online-Aktivitäten junge Wählerschichten erreichen, diese für seine Themen und schließlich zu einer Stimmabgabe für ihn motivieren konnte. Seither tauchen in der Debatte zur politischen Bildung in Deutschland facebook und Twitter immer wieder auf, neue Konzepte werden insbesondere unter Einbezug der neuen Möglichkeiten online gefördert/ausgezeichnet und auch die politischen Parteien haben die sozialen Netzwerkdienste für sich entdeckt.

Zwischen blinder Hoffnung und blockierender Skepsis können eine Vielzahl von Positionen in der aktuellen Debatte ausgemacht werden. (Mit einer Literaturexpertise haben wir erst kürzlich einen Einblick in die aktuelle internationale Debatte zusammengestellt.)

In einem aktuellen Podcast des Berkman Center for Internet & Society at Harvard Law School stellen nun die ehemaligen Berkman Fellows Eszter Hargittai and Aaron Shaw ihre Studie „The Internet, Young Adults and Political Participation around the 2008 Presidential Elections“ vor.
Viele Ergebnisse, die sie vorstellen, sind weitgehend konsistent zu der vorliegenden Forschungslage, weshalb der Vortrag insbesondere in den Nebensätzen einen Überblick über den Stand der Forschung erlaubt. Und wenngleich einige der Ergebnisse ihrer Untersuchung US-amerkanischer Studierender (nur) speziell für die Vereinigten Staaten aussagekräftig sind (bspw. die Ergebnisse hinsichtlich der ethnischen Gruppen), erscheint mir eines ihrer zentralen Ergebnisse doch übergreifend aussagekräftig zu sein: (ab ca. 23:30)

Internetnutzung (insbesondere von Sozialen Netzwerkdiensten) und Medienkompetenz („skills“) stehen in einem Zusammenhang mit politischem Engagement im weiteren Sinne.

Das erscheint mir deshalb von Bedeutung zu sein, da immer wieder die Bedeutung von Internetdiensten und von Online-Beteiligungsprozessen diskutiert wird, ohne die dafür notwendigen Voraussetzungen auf Seiten der Nutzenden in den Blick zu nehmen. Vielmehr werden diese oftmals stillschweigend vorausgesetzt.

Insofern erscheint mir diese Studie (neben anderen) relevant, da sie auf die Bedeutung von Medienkompetenz (neben anderen Faktoren) in einem komplexen Zusammenhang zu politischem Engagement heute hinweist. So schließt Shaw mit der leider doch immer wieder notwendigen Klarstellung, dass nicht der Zugang zum Internet bzw. dessen Verfügbarkeit politisches Engagement „bewirkt“.
Vielmehr ist darauf zu blicken, wer es (mit welchen Voraussetzungen) wie für welche Zwecke einsetzen kann und wie diese Möglichkeiten denjenigen eröffnet werden können, die sie nicht eigenständig erschließen können.

 

 

a situation where it’s better for the advertiser – Privatsphäre aus der Sicht eines Investors

Ich bin ein großer Fan von Daniel Jones Podcasts aus dem Berkman Center for Internet & Society der Harvard Law School geworden. Die Folge 147 „Digital Hermits and the People Who Scare Them (Adventures in Anonymity III)“ ist ein Zusammenschnitt eines Interviews mit David Hornik, der seinerseits Investor von Start-Up-Unternehmen (u.a. blippy.com) ist. Insofern finde ich dieses Interview sehr spannend, da es Einblicke hinter die Kulissen von neuen Internetdiensten ermöglicht. Ich empfehle das Interview gesamt anzuhören.

Zwei Aspekte finde ich besonders interessant, zu denen ich jeweils Ausschnitte aus den Antworten transkribiert habe.

Die Notwendigkeit der Preisgabe von persönlichen Informationen, um einen bestimmten Dienst nutzen zu können, trifft das Kernproblem der aktuellen Debatte um Privatsphäre. Dabei wird mit der Forderung und Förderung der Selbstverantwortung der Nutzenden zwar einereits ein wichtiges medienpädagogisches Ziel verfolgt, aber zugleich (auch in der deutschen Diskussion) der Fokus von der Verantwortung der Anbieter und Dienstegestalter abgelenkt. Vor diesem Hintergrund finde ich die Äußerung von David Hornik in diesem Zusammenhang besonders spannend, da er die Verantwortung der Anbieter einräumt und die Bedeutung von Dienstegestaltung und Voreinstellungen sogar betont.

„Here is an internet experience that you enjoy. And we – the internet company that’s providing it to you – have made a set of decisions about how to treat your information as privat or otherwise. And the experience you get is influenced by those decisions we’ve made and if you like that experience you don’t really worry that much about these sets of privacy trade-offs.“
David Hornik in Radio Berkman 147 – 04:44

Bewegen wir uns angesichts immer weitergehender ‚privacy trade-offs‘ hin zu einem ’no-privacy land‘?
David Hornik beschreibt diebezüglich, wie er im persönlichen Gebrauch differenziert zwischen Informationen, die er nicht preisgeben will, und anderen, bei denen er einen Mehrwert sieht, wenn er sie veröffentlicht. Dennoch zeigt er sich besorgt, wenn er an seine eigene Kinder denkt, was aus einer medienpädagogischen Perspektive betrachtet natürlich besonders spannend ist. Das folgende Zitat ist etwas länger. Mir war es aber wichtig es im Zusammenhang stehen zu lassen, da es verdeutlicht, dass natürlich nicht allein der Nutzwert für die Nutzenden ein Motor für die Weiterentwicklung von Onlinediensten ist (was ja auch vergleichsweise naiv wäre), sondern gerade die Nutzung der Daten in (neuen) Werbeformen diese Entwicklungen für Investoren attraktiv werden lässt.

„My big concern with my children is that because they have come into this as if this is normal, then they won’t even question it, they won’t even think about it. They go just like ‚oh of course, throw out my data, it’s all good‘ and they would buy things that they might otherwise think twice about.
Whereas you and I have started in privacy land and we are marching towards no-privacy land and so these are reasonable questions. And so: From where I sit,… The first thing you post is advertising. I have to say, that one of the reasons that I love this trade-off between privacy and utility and why I’m perfectly happy to give up privacy in this respect is that: I want better ads – I like better ads. I don’t have any problem with someone saying: We should send an ad for a particular car, when David is looking for a car. Or we should – you know, the fact that my youngest child is now eight – don’t send me an ad for diapers, I just don’t need it. And if you can use my data to know that I don’t need that – great! If you know that my wife is a fanatic about Paris and you can send me an ad about something in Paris that is interessting and I wouldn’t have otherwise seen, I see that as an utility, an incredible value. A value to me even though it is also a value to the advertiser. And so I think that by using this data we’re gonna get in a situation, where it’s better for the advertiser and it’s better for the consumer. And that would be great.“
David Hornik in Radio Berkman 147 – 15:43

Konkret benennt Hornik hier einen Grund, wofür Anbieter die Informationen nutzen können, mit wem man eine Beziehung führt (wie es auch im schuelerVZ möglich ist anzugeben vgl. VZlog.de). Aber dies ist ja nur ein Beispiel von vielen. Das Zusammenspiel von Werbung und Diensteanbietern ist natürlich für viele Angebote die notwendige wirtschaftliche Grundlage, ohne die die Dienste nicht (scheinbar) gratis angeboten werden könnten. Über die tatsächlichen Hintergründe bspw. wie jeweils Daten ausgewertet werden etc. sind Informationen für die Nutzenden aber nur spärlich zu finden. Für Jugendliche habe ich bislang noch kaum eine verständliche und zugleich aussagekräftige (kritische) Aufbereitung gefunden.

Hier besteht dringender Handlungsbedarf, denn es geht nicht allein darum, dass man keine Partybilder im Netz veröffentlichen sollte. Die Möglichkeiten, Daten auszuwerten, sind wesentlich differenzierter. Welche Daten unproblematisch veröffentlicht werden können ist dabei letztlich nach wie vor (und vermutlich weiterhin) völlig unklar, wie das Beispiel der Wasserflaschen im Interview zeigt. Es kommt auf die Interpretation und Bewertung der Daten an, wird im Interview gesagt. Das stimmt. Nutzende sollten aber auf jeden Fall die Souveränität besitzen oder dazu ermächtigt werden, selbst und bewusst zu bestimmen, welche Daten interpretiert und bewertet werden können. Und dazu zählt auch, möglichst große Kontrolle darüber zu haben, welche Daten wie veröffentlicht werden. (Der Fairness halber zum Abschluss noch ein Beispiel, bei dem dies sehr gut umgesetzt wurde: Die Apps im schülerVZ, bei denen in Visitenkarten bestimmt werden kann, welche Daten weitergegeben werden. So ist gut nachvollziehbar und eine bewusste Entscheidung, was für wen sichtbar wird. vgl. Informationsangebot im schülerVZ zu den Apps)