„The weapon of the strong“ – Die Bedeutung von Medienkompetenz für politisches Engagement online

Der US-amerikanische Wahlkampf 2008 kann als Startpunkt für eine neuerliche Diskussion über die Potenziale der Beteiligung und Partizipation von Jugendlichen über das Internet gesehen werden. „The Obama effect“ wird das Phänomen benannt, dass der damalige Präsidentschaftskandidat Barack Obama in seinem Wahlkampf 2008 scheinbar insbesondere über Online-Aktivitäten junge Wählerschichten erreichen, diese für seine Themen und schließlich zu einer Stimmabgabe für ihn motivieren konnte. Seither tauchen in der Debatte zur politischen Bildung in Deutschland facebook und Twitter immer wieder auf, neue Konzepte werden insbesondere unter Einbezug der neuen Möglichkeiten online gefördert/ausgezeichnet und auch die politischen Parteien haben die sozialen Netzwerkdienste für sich entdeckt.

Zwischen blinder Hoffnung und blockierender Skepsis können eine Vielzahl von Positionen in der aktuellen Debatte ausgemacht werden. (Mit einer Literaturexpertise haben wir erst kürzlich einen Einblick in die aktuelle internationale Debatte zusammengestellt.)

In einem aktuellen Podcast des Berkman Center for Internet & Society at Harvard Law School stellen nun die ehemaligen Berkman Fellows Eszter Hargittai and Aaron Shaw ihre Studie „The Internet, Young Adults and Political Participation around the 2008 Presidential Elections“ vor.
Viele Ergebnisse, die sie vorstellen, sind weitgehend konsistent zu der vorliegenden Forschungslage, weshalb der Vortrag insbesondere in den Nebensätzen einen Überblick über den Stand der Forschung erlaubt. Und wenngleich einige der Ergebnisse ihrer Untersuchung US-amerkanischer Studierender (nur) speziell für die Vereinigten Staaten aussagekräftig sind (bspw. die Ergebnisse hinsichtlich der ethnischen Gruppen), erscheint mir eines ihrer zentralen Ergebnisse doch übergreifend aussagekräftig zu sein: (ab ca. 23:30)

Internetnutzung (insbesondere von Sozialen Netzwerkdiensten) und Medienkompetenz („skills“) stehen in einem Zusammenhang mit politischem Engagement im weiteren Sinne.

Das erscheint mir deshalb von Bedeutung zu sein, da immer wieder die Bedeutung von Internetdiensten und von Online-Beteiligungsprozessen diskutiert wird, ohne die dafür notwendigen Voraussetzungen auf Seiten der Nutzenden in den Blick zu nehmen. Vielmehr werden diese oftmals stillschweigend vorausgesetzt.

Insofern erscheint mir diese Studie (neben anderen) relevant, da sie auf die Bedeutung von Medienkompetenz (neben anderen Faktoren) in einem komplexen Zusammenhang zu politischem Engagement heute hinweist. So schließt Shaw mit der leider doch immer wieder notwendigen Klarstellung, dass nicht der Zugang zum Internet bzw. dessen Verfügbarkeit politisches Engagement „bewirkt“.
Vielmehr ist darauf zu blicken, wer es (mit welchen Voraussetzungen) wie für welche Zwecke einsetzen kann und wie diese Möglichkeiten denjenigen eröffnet werden können, die sie nicht eigenständig erschließen können.

 

 

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