a situation where it’s better for the advertiser – Privatsphäre aus der Sicht eines Investors

Ich bin ein großer Fan von Daniel Jones Podcasts aus dem Berkman Center for Internet & Society der Harvard Law School geworden. Die Folge 147 „Digital Hermits and the People Who Scare Them (Adventures in Anonymity III)“ ist ein Zusammenschnitt eines Interviews mit David Hornik, der seinerseits Investor von Start-Up-Unternehmen (u.a. blippy.com) ist. Insofern finde ich dieses Interview sehr spannend, da es Einblicke hinter die Kulissen von neuen Internetdiensten ermöglicht. Ich empfehle das Interview gesamt anzuhören.

Zwei Aspekte finde ich besonders interessant, zu denen ich jeweils Ausschnitte aus den Antworten transkribiert habe.

Die Notwendigkeit der Preisgabe von persönlichen Informationen, um einen bestimmten Dienst nutzen zu können, trifft das Kernproblem der aktuellen Debatte um Privatsphäre. Dabei wird mit der Forderung und Förderung der Selbstverantwortung der Nutzenden zwar einereits ein wichtiges medienpädagogisches Ziel verfolgt, aber zugleich (auch in der deutschen Diskussion) der Fokus von der Verantwortung der Anbieter und Dienstegestalter abgelenkt. Vor diesem Hintergrund finde ich die Äußerung von David Hornik in diesem Zusammenhang besonders spannend, da er die Verantwortung der Anbieter einräumt und die Bedeutung von Dienstegestaltung und Voreinstellungen sogar betont.

„Here is an internet experience that you enjoy. And we – the internet company that’s providing it to you – have made a set of decisions about how to treat your information as privat or otherwise. And the experience you get is influenced by those decisions we’ve made and if you like that experience you don’t really worry that much about these sets of privacy trade-offs.“
David Hornik in Radio Berkman 147 – 04:44

Bewegen wir uns angesichts immer weitergehender ‚privacy trade-offs‘ hin zu einem ’no-privacy land‘?
David Hornik beschreibt diebezüglich, wie er im persönlichen Gebrauch differenziert zwischen Informationen, die er nicht preisgeben will, und anderen, bei denen er einen Mehrwert sieht, wenn er sie veröffentlicht. Dennoch zeigt er sich besorgt, wenn er an seine eigene Kinder denkt, was aus einer medienpädagogischen Perspektive betrachtet natürlich besonders spannend ist. Das folgende Zitat ist etwas länger. Mir war es aber wichtig es im Zusammenhang stehen zu lassen, da es verdeutlicht, dass natürlich nicht allein der Nutzwert für die Nutzenden ein Motor für die Weiterentwicklung von Onlinediensten ist (was ja auch vergleichsweise naiv wäre), sondern gerade die Nutzung der Daten in (neuen) Werbeformen diese Entwicklungen für Investoren attraktiv werden lässt.

„My big concern with my children is that because they have come into this as if this is normal, then they won’t even question it, they won’t even think about it. They go just like ‚oh of course, throw out my data, it’s all good‘ and they would buy things that they might otherwise think twice about.
Whereas you and I have started in privacy land and we are marching towards no-privacy land and so these are reasonable questions. And so: From where I sit,… The first thing you post is advertising. I have to say, that one of the reasons that I love this trade-off between privacy and utility and why I’m perfectly happy to give up privacy in this respect is that: I want better ads – I like better ads. I don’t have any problem with someone saying: We should send an ad for a particular car, when David is looking for a car. Or we should – you know, the fact that my youngest child is now eight – don’t send me an ad for diapers, I just don’t need it. And if you can use my data to know that I don’t need that – great! If you know that my wife is a fanatic about Paris and you can send me an ad about something in Paris that is interessting and I wouldn’t have otherwise seen, I see that as an utility, an incredible value. A value to me even though it is also a value to the advertiser. And so I think that by using this data we’re gonna get in a situation, where it’s better for the advertiser and it’s better for the consumer. And that would be great.“
David Hornik in Radio Berkman 147 – 15:43

Konkret benennt Hornik hier einen Grund, wofür Anbieter die Informationen nutzen können, mit wem man eine Beziehung führt (wie es auch im schuelerVZ möglich ist anzugeben vgl. VZlog.de). Aber dies ist ja nur ein Beispiel von vielen. Das Zusammenspiel von Werbung und Diensteanbietern ist natürlich für viele Angebote die notwendige wirtschaftliche Grundlage, ohne die die Dienste nicht (scheinbar) gratis angeboten werden könnten. Über die tatsächlichen Hintergründe bspw. wie jeweils Daten ausgewertet werden etc. sind Informationen für die Nutzenden aber nur spärlich zu finden. Für Jugendliche habe ich bislang noch kaum eine verständliche und zugleich aussagekräftige (kritische) Aufbereitung gefunden.

Hier besteht dringender Handlungsbedarf, denn es geht nicht allein darum, dass man keine Partybilder im Netz veröffentlichen sollte. Die Möglichkeiten, Daten auszuwerten, sind wesentlich differenzierter. Welche Daten unproblematisch veröffentlicht werden können ist dabei letztlich nach wie vor (und vermutlich weiterhin) völlig unklar, wie das Beispiel der Wasserflaschen im Interview zeigt. Es kommt auf die Interpretation und Bewertung der Daten an, wird im Interview gesagt. Das stimmt. Nutzende sollten aber auf jeden Fall die Souveränität besitzen oder dazu ermächtigt werden, selbst und bewusst zu bestimmen, welche Daten interpretiert und bewertet werden können. Und dazu zählt auch, möglichst große Kontrolle darüber zu haben, welche Daten wie veröffentlicht werden. (Der Fairness halber zum Abschluss noch ein Beispiel, bei dem dies sehr gut umgesetzt wurde: Die Apps im schülerVZ, bei denen in Visitenkarten bestimmt werden kann, welche Daten weitergegeben werden. So ist gut nachvollziehbar und eine bewusste Entscheidung, was für wen sichtbar wird. vgl. Informationsangebot im schülerVZ zu den Apps)